Tomaten ausgeizen und pflegen – auch die San Marzano Tomate

Tomaten ausgeizen gehört zu den wichtigsten Pflegeschritten im Tomatensommer: Wer die Seitentriebe rechtzeitig entfernt, bekommt größere, aromatischere Früchte und gesündere Pflanzen. In diesem Ratgeber erfährst du, was Geiztriebe sind, wann und wie du sie entfernst, welche Sorten du nicht ausgeizen musst und wie du eine San Marzano Tomate ausgeizen solltest.

Was bedeutet Ausgeizen bei Tomaten?

In den Blattachseln, also zwischen Haupttrieb und Blattstiel, bilden Tomaten ständig neue Seitentriebe. Gärtner nennen sie Geiztriebe, weil sie mit Nährstoffen und Wasser „geizen“, die sonst den Früchten zugutekämen. Lässt man sie wachsen, entsteht ein dichter, schwer zu stützender Busch mit vielen kleinen, spät reifenden Früchten. Beim Ausgeizen werden diese Triebe entfernt, sodass die Pflanze an einem oder zwei Haupttrieben wächst.

Tomaten am Strauch

Die Vorteile im Überblick:

  • Die Kraft geht in Blüten und Früchte statt in Blattmasse.
  • Die Pflanze bleibt luftig, Blätter trocknen schneller ab – das senkt das Risiko für Kraut- und Braunfäule.
  • Früchte bekommen mehr Sonne und reifen in unserem kurzen Sommer zuverlässiger aus.
  • Pflanzen lassen sich einfacher an Stab oder Schnur führen.

Welche Tomaten muss man ausgeizen – und welche nicht?

Tomatentyp Ausgeizen?
Stabtomaten, Fleischtomaten, Flaschentomaten Ja, regelmäßig, an 1–2 Haupttrieben ziehen
Rispen- und hohe Cocktailtomaten Ja, oft an 2–3 Trieben
Buschtomaten, Balkontomaten Nein, sie bleiben von Natur aus kompakt
Wildtomaten Nein, sie wachsen buschig und tragen an vielen Trieben

Ob deine Sorte zu den Stab- oder Buschtomaten gehört, steht in der Regel in der Sortenbeschreibung. Eine große Auswahl samenfester Sorten mit Angaben zur Wuchsform findest du in unserer Auswahl an Tomatensamen.

Junge Tomatenpflanzen

Wann und wie oft sollte man Tomaten ausgeizen?

Mit dem Ausgeizen beginnst du, sobald die Jungpflanzen ausgepflanzt und angewachsen sind und die ersten Geiztriebe erscheinen. Ideal ist es, die Triebe zu entfernen, solange sie 3 bis 5 cm lang sind. Dann ist die Wunde klein und verheilt schnell.

reife Tomaten

  • Kontrolliere die Pflanzen im Sommer ein- bis zweimal pro Woche, denn Geiztriebe wachsen schnell.
  • Am besten an einem trockenen, sonnigen Vormittag ausgeizen, dann trocknen die Wunden rasch ab.
  • Bis etwa Ende August weiter ausgeizen. Danach bildet die Pflanze kaum noch neue Triebe.

Tomaten ausgeizen: So geht es richtig

  1. Geiztrieb erkennen: Er wächst schräg nach oben genau in der Achsel zwischen Haupttrieb und Blatt. Blütenstände wachsen dagegen direkt aus dem Stamm, ohne Blatt darunter – die bleiben stehen.
  2. Ausbrechen: Kleine Triebe mit Daumen und Zeigefinger fassen und seitlich abknipsen.
  3. Größere Triebe schneiden: Ist ein Geiztrieb schon dicker als ein Bleistift, nimm ein sauberes, scharfes Messer oder eine Gartenschere, um den Stamm nicht einzureißen.
  4. Hygiene beachten: Werkzeug zwischen den Pflanzen reinigen, damit sich keine Krankheiten verbreiten.

Ein häufiger Fehler ist es, versehentlich die Spitze des Haupttriebs zu entfernen. Schau deshalb lieber zweimal hin. Ein vergessener großer Geiztrieb lässt sich übrigens als Steckling bewurzeln und ergibt eine neue Pflanze.

San Marzano Tomate ausgeizen

Die San Marzano ist eine italienische Flaschentomate, die vor allem für Saucen geschätzt wird. Sie wächst hoch und unbegrenzt wie eine Stabtomate und sollte deshalb regelmäßig ausgegeizt werden.

  • Ein oder zwei Triebe: Im Freiland und im Kübel ziehst du sie am besten eintriebig. Im Gewächshaus kannst du den Geiztrieb unter dem ersten Blütenstand als zweiten Haupttrieb stehen lassen.
  • Stützen: Die länglichen Früchte hängen in schweren Rispen. Ein stabiler Stab oder eine Tomatenspirale ist Pflicht.
  • Untere Blätter entfernen: Blätter unterhalb des ersten Fruchtstands nach und nach entfernen, damit kein Spritzwasser auf das Laub gelangt.
  • Kappen: Ende Juli bis Anfang August die Triebspitze über dem letzten Blütenstand abschneiden. So reifen die vorhandenen Früchte bis zum Herbst noch aus.

Wenn du die Sorte selbst anbauen möchtest: unsere Bio-Tomatensamen der Sorte San Marzano sind samenfest und mittelfrüh reifend.

Tomaten pflegen: Gießen, Stützen und Düngen

Ausgeizen allein macht noch keine gute Ernte. Diese Pflegetipps gehören dazu:

Tomatenblüte

  • Gießen: regelmäßig und durchdringend, am besten morgens und direkt auf den Boden, nie über die Blätter.
  • Regenschutz: Ein Tomatendach oder ein Gewächshaus hält die Blätter trocken und beugt der Braunfäule vor.
  • Mulchen: Eine dünne Schicht Rasenschnitt oder Stroh hält die Feuchtigkeit im Boden.
  • Düngen: Tomaten sind Starkzehrer. Einfach in der Anwendung sind Bio-Düngerstäbchen für Tomaten und Gemüse, die etwa zwei Monate wirken. Mehr zum Thema liest du in unserem Ratgeber zum Tomaten düngen.
  • Hochbinden: Den Haupttrieb locker an Stab oder Schnur führen. Bindematerial, Gießbrausen und mehr findest du als praktisches Zubehör für Anzucht und Garten.

Häufige Fragen

Kann man Tomaten falsch ausgeizen?

Ja. Wer versehentlich Blütenstände oder die Triebspitze entfernt, verliert Ertrag. Auch zu viele Blätter auf einmal zu entfernen, schwächt die Pflanze, denn sie braucht ihr Laub für die Photosynthese.

Muss man Cocktailtomaten ausgeizen?

Hohe Cocktail- und Rispentomaten werden mäßig ausgegeizt und meist an zwei bis drei Trieben gezogen. Kompakte Balkonsorten musst du nicht ausgeizen.

Was passiert, wenn man Tomaten nicht ausgeizt?

Die Pflanze wird sehr dicht, bildet viele kleine Früchte, die später reifen, und ist anfälliger für Pilzkrankheiten. Bei Busch- und Wildtomaten ist das dagegen gewollt.

Fazit

Regelmäßiges Ausgeizen sorgt für luftige, gesunde Tomatenpflanzen und größere Früchte. Stab-, Fleisch- und Flaschentomaten wie die San Marzano ziehst du an ein bis zwei Trieben, Busch- und Wildtomaten dürfen wachsen, wie sie wollen. Zusammen mit gleichmäßigem Gießen, Regenschutz und maßvollem Düngen steht einer reichen Ernte nichts im Weg.


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